Heroldstatt und die Krisen

Gemeinderatssitzung vom 13. Oktober 2025

Herbst 2021. Fast auf den Tag genau vor vier Jahren diskutierten wir im Heroldstatter Gemeinderat über die Anschaffung einer Warnsirene. Nur wenige Monate zuvor wurde das Ahrtal von massiven Überschwemmungen getroffen, die Corona-Pandemie war noch nicht ausgestanden und die Ausgangsbeschränkungen des Vorjahres steckten uns allen noch in den Knochen.

Zwar ist in Heroldstatt nicht mit Naturereignissen dieser Größenordnung zu rechnen, und auch während der Pandemie waren Strom- und Wasserversorgung stabil. Doch gerade Krisen zeigen, dass man oft auf die letzte, nicht aber auf die nächste Krise vorbereitet ist. Aus diesem Grund plädierten wir damals für die Anschaffung einer Warnsirene – nach dem Motto: Besser haben als brauchen.

Schließlich geht es im Ernstfall darum, alle Bürgerinnen und Bürger zuverlässig und schnell zu erreichen – auch diejenigen, die kein Handy besitzen oder keine Warn-Apps nutzen. Alles Reden war umsonst. Bürgermeister Weber und eine Mehrheit des Gemeinderates wischten das Thema vom Tisch. Eine Warnsirene gibt es bis heute keine.

Wenig überraschend waren daher die Ausführungen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Unter dem Tagesordnungspunkt „Krisenmanagement“ informierte die Verwaltung darüber, dass ein entsprechendes Konzept erarbeitet wurde – inklusive Angaben, wo sich die Bevölkerung im Notfall einfinden kann.

Auf unsere Nachfrage, wie die Bürgerinnen und Bürger informiert werden, wenn Telefon- und Internetverbindungen ausfallen, hieß es, dass die Warnung über Satellit auf das Handy trotzdem funktioniert. Dass diese Lösung all jene ausschließt, die kein Handy besitzen (altersbedingt), versteht sich von selbst. Als Ersatz wurde daher vorgeschlagen, im Notfall mit einem Auto und Megafon durch den Ort zu fahren.

Auf die Frage, ob diese Vorgehensweise im Krisenkonzept festgelegt sei, lautete die Antwort: Das werde dann ad hoc entschieden. Heißt: im dann eingetretenen Notfall, spontan durch den Bürgermeister, der als Leiter des Verwaltungsstabes qua Amt zum obersten Krisenmanager in Heroldstatt wird.

Vorausgesetzt wird dabei, dass Feuerwehr und Rathaus im Notfall einsatzfähig sind. Bei der Feuerwehr haben wir da keinerlei Zweifel. Beim Rathaus … naja.

Wir erinnern uns an die jüngsten Schwierigkeiten mit der Busumleitung (Stichwort: „Bus-Chaos“) rund um die neue Ortsmitte in Sontheim. Eine frühzeitige, offene Kommunikation über mögliche Anlaufschwierigkeiten hätte hier sicherlich nicht geschadet.

Ähnlich erhellend war eine Szene aus der letzten Sitzung: Auf die Frage, warum die Bürgerschaft nicht informiert wurde, dass ein Rallyefahrer Heroldstatt letzte Woche zwei Tage lang als Übungsgelände nutzte, erklärte Bürgermeister Weber, er entscheide selbst, welche Informationen weitergegeben werden – und welche nicht.

Und dann der Satz des Abends (O-Ton): „Wenn man sich über solche Dinge aufhält, dann ham mer sonscht wenigstens koine Probleme.“

Auch die Exkursion zum Windpark in Nattheim vergangene Woche passt ins Bild. Sechs Bürger nahmen teil, plus Bürgermeister und zwei Gemeinderäten (einer davon war ich). Angekündigt im Heroldstatt Boten mit dem Versprechen: „Für Verpflegung mit Brötchen und Getränken ist gesorgt.“

Das Ergebnis: Der Bus hielt beim Lidl, die Getränke mussten nachgekauft werden.

Wenn schon eine kleine Ausfahrt nicht reibungslos funktioniert – wie steht es dann erst um die Krisenkommunikation im Ernstfall? Oder wenn binnen Minuten weitreichende Entscheidungen zu treffen sind, aber niemand da ist, dem man hinterher die Verantwortung in die Schuhe schieben kann?

P.S. Um sicherzustellen, dass unsere Anträge vom vergangenen Montag nicht wieder irgendwie „untergehen“, haben wir sie schriftlich an Bürgermeister Weber übermittelt. Siehe Anhang.

Autor: Thomas Salzmann

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