Gemeinderatssitzungen vom Mai und Juni 2026
Die letzten Gemeinderatssitzungen wirkten relativ unspektakulär. Im Mai ging es um den Baubeschluss für die Berghalle. Wobei absehbar war, dass der Gemeinderat das 4,5 Millionen Euro teure Vorhaben auf die Zielgerade bringen würde. In der Juni-Sitzung am vergangenen Montag ging es um die Planungen eines Biosphärenspielplatzes Hinter den Pfarrgärten II und die Kindergartenbedarfsplanung. Selbstverständlich sind strittige Themen kurz vor einer Bürgermeisterwahl tunlichst zu vermeiden.
Seit einigen Wochen hält sich in Heroldstatt das hartnäckige Gerücht, BM Weber wolle noch vor der Bürgermeisterwahl mit Pauken und Fanfaren die „Schuldenfreiheit“ ausrufen. Doch wie will er das bewerkstelligen?
Die Lösung hierfür findet sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der nichtöffentlichen Sitzung am 15.06.2026. GR Michael Keirat war vorab entschuldigt. Beschlossen wurde Folgendes: Die HGE (Heroldstatt Gemeindeentwicklungs-GmbH) wird der Gemeindekasse eine Summe von rund einer halben Million Euro überweisen, um einen „internen Kredit“ zurückzuzahlen. Wie inzwischen jeder weiß, gehört die HGE zu 100% der Gemeinde, weshalb diese wiederum zu 100% für deren Schulden haftet. Vereinfacht formuliert: Die Gemeinde überweist sich das Geld von einem Konto auf das Andere.
Der Hintergrund dieser Schuldenschieberei ist folgender: Im Dezember 2025 war die Gemeinde mit 2,1 Millionen Euro verschuldet. Die HGE bereits in 2024 mit rund 5,1 Millionen. Nun erhielt die Gemeinde 1,9 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur. Dass dieses Sondervermögen NICHT für die Tilgung von Schulden verwendet werden darf, sei hier nur mal am Rande erwähnt.
Doch tilgt die Gemeinde trotzdem ihre Schulden damit, verbleibt auf dem Konto der Gemeinde ein Minus von rund 200.000 Euro. Wenn jetzt die HGE 500.000 Euro auf das Konto der Gemeinde überweist, wäre dieses tatsächlich für einen kurzen Moment lang gedeckt und somit in der blanken Theorie „schuldenfrei“. Warten Sie doch mal ab, wann und wo in den kommenden Wochen das „Wunder von Heroldstatt“ verkündet wird.
Dass der Umbau der Berghalle (Kostenpunkt: 4,5 Millionen Euro) kurze Zeit später erneut ein klaffendes Loch in die Gemeindekasse reißen wird, scheint im Rahmen dieses Manövers irrelevant.
Fazit: Solange niemand die millionenschweren Schulden der HGE anspricht oder die immensen Kosten der Berghalle, könnte BM Weber tatsächlich in einem sehr engen Zeitfenster von der „Schuldenfreiheit“ sprechen.
Ich jedenfalls bin gespannt, ob er wenigstens ein bisschen rot wird, wenn er Ihnen voller Stolz die „Heilsbotschaft“ verkündet. Dabei löst dieser Taschenspielertrick weder die finanziellen Probleme der Gemeinde, noch die wirtschaftlich höchst prekäre Lage der HGE.
Denn die Gemeinde muss inzwischen kurzfristige Kredite aufnehmen, damit sie die laufenden Kosten bezahlen kann. Bereits im Jahr 2025 war dies an vier von fünf Arbeitstagen notwendig! Und das in einem Umfang von bis zu 1,5 Millionen Euro. Wohlgemerkt: Obendrauf! Zum anderen schlummern im Keller der HGE nach wie vor Schulden in Höhe von mindestens 5 Millionen Euro. Nachzulesen in unserem Beitrag vom März ´26 „Wie steht es eigentlich um die HGE?“
Woher das Geld kommen soll, weiß niemand. Selbst die Gemeinderäte haben darüber keine näheren Informationen. Bauplatzverkäufe? Immobilienverkäufe? Wenn ja … welche? Oder hat die HGE, deren alleiniger Geschäftsführer BM Weber ist, heimlich weitere (!) Kredite aufgenommen, um Ihnen rechtzeitig zur Wahl das „schuldenfreie Heroldstatt“ zu präsentieren?
Was u.a. für diese These spricht, ist folgendes: In der Mai-Sitzung hatte GR‘in Friedrich die Frage gestellt, ob der HGE-Jahresabschluss für 2025 bis zum 30. Juni 2026 fertiggestellt sei, wie ausdrücklich im Gesellschaftervertrag vorgesehen. Denn wenn eine GmbH wie die HGE keinen Jahresabschluss vorzuweisen hat, bedeutet dies: Keinerlei belastbare Information über die tatsächliche, aktuelle Verschuldung. Die Antwort von Bürgermeister Weber auf diese Frage war so knapp wie unmissverständlich: „Nein.“
Dass BM Weber bereits im Mai beim Seniorennachmittag die Schuldenfreiheit angekündigt hatte, wirft zusätzliche Fragen auf. Dafür gibt es mehrere Augen- und Ohrenzeugen. Die Heroldstatter Senioren jedenfalls sollte man besser nicht unterschätzen. Denn seine Aussagen bezüglich unserer finanziellen Lage haben wohl für einige Lacher gesorgt. Immerhin.
Autor: Thomas Salzmann
