Überraschende Kanalsanierung für 100.000€

Doch woher nehmen und nicht stehlen?

Es ist kein Geheimnis, dass sich Heroldstatts Finanzen im Sinkflug befinden. Wie schlecht es um die Gemeindekasse bestellt ist, zeigt sich inzwischen nicht nur an veralteten Überlaufbecken und vollgelaufenen Kellern.

Ende dieser Woche (21. Juni 2025) erreichte uns aus dem Rathaus die Nachricht, dass überraschend 20 Meter Kanal, angrenzend zur „Neuen Ortsmitte Sontheim“, saniert werden müssen. Dringend!

Bereits in den kommenden Tagen müsse eine Entscheidung darüber gefallen sein, ob man die maroden Kanäle in einem Aufwasch mit der Sontheimer Ortmittensanierung ausbessern werde.

Grundsätzlich ein lobenswerter Schritt! Seit Jahren fordern wir, wenn auch mit wenig Erfolg, den Fokus auf die Grundinfrastruktur zu legen. Doch wie üblich hat die Sache einen Haken. In Heroldstatt mangelt es inzwischen gravierend an Geld.

Besagte Kanäle auszubessern kostet 100.000€ – und diese Summe existiert dieses Jahr schlichtweg nicht im aktuellen Haushalt.

Und das, obwohl man im Rathaus bereits bei der Haushaltsberatung im April ´25 wusste, dass diese Sanierungen kommen werden/müssen.

Als am 11.11.2024 in der Gemeinderatssitzung über den Zustand der Kanäle um die Ortsmitte gesprochen wurde, sagte der zuständige Fachplaner, „… es handle sich hier um Karies im Endstadium“. Deutlicher kann man es wirklich nicht mehr formulieren. Passiert ist trotzdem nichts.

Die nackten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache:
2024 hatten wir ein Budget von 720.000 Euro für Kanalsanierungen.
2025 wurde dieses drastisch zusammengestrichen, auf gerade noch 170.000 Euro.
2026 sieht es mit 350.000 Euro nicht wirklich besser aus.

Wenig überraschend, schließlich wollen Backhaus/Café, Wasserspiele mit Pavillon, Berghalle usw. usf. irgendwie bezahlt sein.

So darf es niemanden mehr wundern, wenn jetzt 100.000 Euro für Kanalsanierungen fehlen. Hat sich Bürgermeister Weber hier schlichtweg verrechnet … oder hat er die Zahlen für die Haushaltsberatung bewusst geschönt, um im Nachhinein durch die Hintertür weitere Schulden zu machen?

Noch in der GR-Sitzung im April ´25 hat man sich (wieder einmal) gegenseitig auf die Schulter geklopft, weil man ab jetzt „keine weiteren Schulden mehr aufnehmen werde“.

GR Werner Knehr schien von dem 518 Seiten umfassenden Zahlenwerk gleich derart begeistert, dass er noch in derselben Sitzung beantragte, dieses sofort und ohne weitere Beratungsgespräche absegnen bzw. abstimmen lassen. Was selbstverständlich auch geschah. Welcher GR wie abgestimmt hat, können sie sich ja bestimmt denken.

Alexandra Friedrich und ich hatten uns für diese Sitzung Tage vorher berufsbedingt entschuldigt. Es war also bekannt, dass wir nicht da sein würden. Tja … Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

So ist auch im Fall der Kanalsanierung Vorsicht geboten. Denn die Nachricht über die zusätzlichen Kanalsanierungen bzw. deren Kosten wurde uns nicht etwa von Bürgermeister Weber übermittelt, sondern von dessen Stellvertreter. Mündlich, in persönlichen Einzelgesprächen.

Dafür, dass uns Dirk Süßmuth kontaktierte und nicht der BM selbst, gibt es selbstverständlich einen triftigen Grund: Bürgermeister Weber befindet sich wohl (noch) im Urlaub.

Wir werden Sie weiterhin darüber informieren, wie die Sache weitergeht – insbesondere, ob und wie die 100.000 € finanziert werden.

Es sei denn, dieses recht heikle Thema versickert „rein zufällig“ in einer nichtöffentlichen Sitzung. Man weiß es ja nie.

Autor: Thomas Salzmann

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